Spinalkanalstenose

Spinalkanalstenose (SKS) bedeutet Einengung des Wirbelkanals. Die relative Spinalkanalstenose hat an der Halswirbelsäule einen Längsdurchmesser < 11 mm und an der Lendenwirbelsäule < 12 mm. Die absolute Spinalkanalstenose, die mit massiven Symptomen einhergeht, hat an der Halswirbelsäule einen Längsdurchmesser < 9 mm und an der Lendenwirbelsäule < 10 mm.

In seltenen Fällen ist die Spinalkanalstenose angeboren. In der Regel entsteht sie im Lauf der Alterung durch drei Veränderungen an der Wirbelsäule, die in der Regel kombiniert auftreten:

  1. Verschleiß der Bandscheiben mit Bandscheibenvorwölbung oder -vorfall
  2. Arthrose der Zwischenwirbelgelenke
  3. Verdickung des Ligamentum Flavum (Lig. Flavum = Gelbes Band).

Hierdurch kommt es zu einer Abklemmung der im Wirbelkanal verlaufenden Nervenwurzeln. Begleitet wird diese spinale Enge in einigen Fällen von einen häufig ebenfalls verschleißbedingten Wirbelgleiten. Die häufigsten Lokalisationen sind zwischen dem 4. und 5. Lendenwirbel bzw. zwischen dem 5. Lendenwirbelkörper und dem Kreuzbein. So kommt neben der verschleißbedingten Enge ein zusätzlich einengender Faktor durch den Versatz der beiden Wirbelkörper hinzu. Weitere, aber seltenere Ursachen für eine Spinalkanalstenose sind unfallbedingte oder tumorbedingte Brüche der Wirbelkörper.

Symptome

Das klassische Symptom der Spinalkanalstenose ist die sogenannte „Claudicatio spinalis“, das Stehenbleiben müssen wegen massiver Schmerzen in Gesäss und Oberschenkeln. Durch die Kompression der Nervenwurzeln im Wirbelkanal kommt es bei längerem Gehen zu Versorgungsstörungen der Nervenwurzeln im Wirbelkanal mit den Folgen von massiven einschießenden Schmerzen in Gesäß und Beine. Typischerweise entstehen diese Symptome nach einer bestimmten Gehstrecke. Hält der Patient an und beugt er sich vornüber oder setzt er sich, verschwinden diese Symptome rasch. Durch das Vornüberbeugen oder Hinsetzen in gebeugter Stellung kommt es zu einer Erweiterung des Wirbelkanals durch eine veränderte Krümmung der Wirbelsäule und damit zu einer Erholung der Nervenwurzeln.

Computertomographie der Spinalkanalstenose

MR eines gesunden Spinalkanals im Vergleich mit einem verengten,
ausgeprägte Spondylarthrose, Hypertrophie Lig. Flava

Abzugrenzen sind diese Symptome von der gefässbedingten „Claudicatio intermittens“. Diese entsteht durch die Einengung von Arterien in den Beinen. Während bei der Spinalkanalstenose die Patienten besser bergauf und auch besser Treppen heraufgehen können, sind Patienten mit peripheren Durchblutungsstörungen im Bereich der Beine besser in der Lage, bergab zu gehen oder Treppen abzusteigen.

Typischerweise können Patienten mit einer Spinalkanalstenose gut Fahrrad fahren. Das liegt daran, dass in der leicht vornübergebeugten Stellung sich der Wirbelkanal weitet und somit die Nervenwurzeln weniger komprimiert werden. Bei Patienten mit Durchblutungsstörungen der Beine ist hingegen das Radfahren deutlich eingeschränkt.

Neben den Symptomen im Bereich der Beine können jedoch auch hartnäckige, tiefsitzende Rückenschmerzen vorhanden sein. Diese sind in der Regel nicht auf die spinale Enge, sondern auf die Arthrose der Zwischenwirbelgelenke und/oder auf eine begleitende Instabilität zwischen den Wirbelkörpern bis hin zum Wirbelgleiten zurückzuführen.

Diagnostik

Die Diagnostik der Spinalkanalstenose beinhaltet eine exakte Erhebung der Krankheitsgeschichte und eine präzise klinische Untersuchung. Die meisten Patienten schildern die o.g. typischen Beschwerden im Sinne einer Claudicatio spinalis, mit oder ohne Rückenschmerzen. Diese sind vom behandelnden Arzt genau zu erfragen und eine evtl. Durchblutungsstörung der Beine auszuschließen. Zur klinischen Untersuchung gehören eine Untersuchung der Lendenwirbelsäule sowie eine eingehende neurologische Untersuchung. Ferner sind die Fußpulse zu überprüfen. Zusätzlich sollte immer eine fachneurologische Untersuchung veranlasst werden, um andere Ursachen für „Beinschmerzen“ wie z. B. eine Polyneuropathie auszuschließen.

Die erweiterte Diagnostik umfasst konventionelle Röntgenaufnahmen und Funktionsaufnahmen, die häufig nicht durchgeführt werden. Letztere sind zwingend notwendig, um ein Wirbelkörpergleiten auszuschliessen. Die Magnetresonanztomographie als Schnittbildverfahren muss bei der Diagnose Spinalkanalstenose ebenfalls durchgeführt werden. Eine Myelographie ist nur noch in Ausnahmefällen notwendig.

MR Spinalkanalstenose und Spondylolisthese

relative Spinalkanastenose zwischen dem Lendenwirbelkörper 3 und 4, absolute Spinalkanalstenose zwischen LWK 4/5 und einer Spondylolisthese ("Wirbelgleiten") LWK 5/S1

Schmerzsyndrom aufgrund einer Verengung des Spinalkanals im Bereich der Lendenwirbelsäule.
Zwischen zwei Wirbeln verlaufende Bänder, die die Wirbelsäule stabilisieren.