Glossar - Fachbegriffe rund um die Wirbelsäule einfach erklärt

A

Arthrose

Abnutzung (Verschleiß) von Gelenken, die über das alterstypische Maß hinausgeht.

B

Bandscheibe

Faserknorplige Scheibe mit einem gallertartigen, elastischen Kern, die jeweils zwischen zwei Wirbelkörpern liegt. Die Aufgaben der Bandscheibe bestehen vor allem in der Abfederung von Druck und Muskelzug auf die Wirbelkörper.

Bandscheibenprothese

Künstlicher Bandscheibenersatz aus den Materialien Titan, Stahl und/oder Kunststoff (Polyäthylen). Die Bandscheibenprothese ersetzt die "verschlissene" Bandscheibe und erhält in dem betroffenen Segment die Beweglichkeit. Die Bandscheibenprothese wird vor allem bei jungen Menschen mit isolierter "verschlissener" Bandscheibe eingesetzt. Allerdings wird diese neue Operationsmethode teilweise sehr unkritisch angewendet.

>> Interview mit Prof. Dr. Ertel zum Thema Bandscheibenprothesen

Bandscheibenprotrusion

Vorwölbung der Bandscheibe. Diese geht in der Regel dem Bandscheibenvorfall voraus. Die Protrusion der Bandscheibe führt zu keiner Kompression von Rückenmark und/oder Nervenwurzeln. Allerdings kann sie bei gleichzeitiger Verdickung der Ligamenta flava und von Osteophyten eine Einengung des Rückenmarkkanals begünstigen.

Bandscheibenvorfall ("Diskusprolaps")

Langsame oder plötzlich auftretende Verlagerung des Gallertkernes nach hinten in Richtung Rückenmarkkanal und/oder in den Kanal der Rückenmarknerven ("Neuroforamen"). Dies führt zur Kompression von einzelnen Nervenwurzeln und/oder des Rückenmarkes mit Gefühlsstörungen und/oder Muskelschwäche/Lähmungen.

>> zum Kapitel Bandscheibenvorfall

"Black disk" (schwarze Bandscheibe)

Durch Verschleisserscheinungen vermindert sich der Flüssigkeitsgehalt der Bandscheibe. Diese wird spröde und unelastisch. In der MRT-Untersuchung stellt sich die ausgetrocknete, spröde Bandscheibe schwarz ("black") dar..

C

Claudicatio spinalis ("Schaufensterkrankheit")

Beim Gehen bekommt der Patient krampfartige Schmerzen im Gesäß und den Oberschenkeln, die sich durch Stehenbleiben und Vorwärtsbeugen des Oberkörpers vermindern. Diese Beschwerden sind das Leitsymptom bei einer Verengung des Rückenmarkkanals im Bereich der Lendenwirbelsäule. Je enger der Rückenmarkkanal ist, desto kürzer ist die Gehstrecke. Diese kann im Extremfall < 20 m sein.

D

Diskusprolaps

>> siehe Bandscheibenvorfall

Distraktion von Wirbelkörpern

>> siehe Wirbelkörperdistraktion

I

Iliosakralgelenke (Kreuz-Darmbein-Gelenk)

Diese Gelenke sind beidseits angelegt und verbinden das Kreuzbein mit den Darmbeinschaufeln. Sie leiten den Kraftfluss von der Wirbelsäule auf die beiden Beine über und sind deshalb hoch belastet. Die Iliosakralgelenke werden durch kräftige Muskeln im Gesäss stabilisiert. Viele Patienten mit Wirbelsäulenproblemen haben sekundär Verkrampfungen dieser Muskulatur. Diese Krämpfe werden auch als "Iliosakralgelenksblockade" bezeichnet. Da es sich um rein muskuläre Probleme handelt, ist die Manuelle Therapie die Methode der Wahl.

Ischialgie

In ein Bein ausstrahlende brennende, stechende Schmerzen, die exakt dem sensiblen Versorgungsgebiet einer Nervenwurzel des Nervus ischiadicus (Ischiasnerv) zuzuordnen sind. Vornehmlich sind die Wurzeln L5 bzw. S1 sowie zu einem geringeren Prozentsatz L4 betroffen. Ursächlich kommen ein Bandscheibenvorfall, eine Spinalkanalstenose, eine Neuroforamenstenose oder ein Wirbelkörpergleiten in Betracht.

K

Kyphoplastie

Minimalinvasive Operationsmethode für einen "pathologischen", spontanen Wirbelkörperbruch, der nicht durch ein Trauma verursacht wurde. Durch einen in den Wirbelkörper eingebrachten Ballon wird im Wirbelkörper ein Hohlraum geschaffen, der mit Knochenzement aufgefüllt wird. Hierdurch wird der Wirbelkörper stabilisiert.

>> zum Artikel: Kyphoplastie als Therapiemaßnahme bei Wirbelkörperfrakturen

L

Ligamentum flavum (lat. "gelbes Band")

Das Ligamentum flavum ist zwischen den einzelnen Wirbelkörpern aufgespannt und unterstützt die Stabilität der Wirbelkörper zueinander. Ausserdem bildet es die innere und hintere Wand des Zwischenwirbelloches (Neuroforamen). Bei degenerativen Wirbelsäulenveränderungen kommt es häufig zu einer Verdickung des Bandes. Dies kann zu einer Verengung des Rückenmarkkanals (Spinalkanalstenose) und/oder einer Einengung des Zwischenwirbelloches (Neuroforamenstenose) mit Kompression des Rückenmarkes und/oder einzelner Nerven führen.

Lumbale Periduralblockade

Rückenmarksnahe Betäubung einer Nervenwurzel durch Injektion von Lokalanästhetikum (örtlichem Betäubungsmittel).

Lumbalgie / Lumbago

Im Volksmund als "Hexenschuss" verwendet, bezeichnet die Lumbalgie/Lumbago den Kreuzschmerz. Als Ursache kommen ein Bandscheibenvorfall, die Spinalkanalstenose, die Arthrose der Zwischenwirbelgelenke, das Wirbelkörpergleiten und osteoporotische Sinterungsfrakturen von Wirbelkörpernin Betracht.

Lumboischialgie

Kombination aus Rückenschmerz (Lumbalgie/Lumbago) und Beinschmerz (Ischialgie).

>> siehe Lumbalgie
>> siehe Ischialgie

M

Magnetresonanztomographie (MRT)

Die MRT stellt ein sogenanntes Schnittbildverfahren dar (wie bei einem aufgeschnittenen Apfel) und ermöglicht an der Wirbelsäule eine präzise Beurteilung der Bandscheiben, des Rückenmarkes und der Nervenwurzeln. Bei degenerativen Veränderungen an der Wirbelsäule ist die MRT-Untersuchung der Computertomographie (CT) vorzuziehen. Außerdem gibt es bei der MRT im Gegensatz zur CT-Untersuchung keine Strahlenbelastung.

>> zum Artikel: Diagnose / Diagnostik

Monosegmentale Wirbelsäulenoperation

Operative Korrektur einer Wirbelsäulenveränderung zwischen zwei Wirbelkörpern. Die häufigsten monosegmentalen Korrekturen betreffen den vierten und fünften Lendenwirbel bzw. den fünften Lendenwirbel und den ersten Kreuzbeinwirbel.

"Muskuläres Korsett"

Durch Kräftigung der Rumpfmuskulatur wird die Wirbelsäule entlastet und gleichzeitig stabilisiert. Hierdurch wird der Druck auf Bandscheiben und die Zwischenwirbelgelenke vermindert. Die Rumpfmuskulatur hat somit eine biologische "Korsettfunktion". Deshalb ist es für alle Menschen mit degenerativen Rückenproblemen wichtig, intensiven Rückensport zu betreiben.

N

Nukleotomie (Diskektomie)

Operative Entfernung von Bandscheibengewebe aus dem Rückenmarks- und/oder Spinalnervenkanal bei einem Bandscheibenvorfall. Die Nukleotomie wird heutzutage minimal invasiv durchgeführt.

O

Osteoporose

Erkrankung der Knochen, auch als "Knochenschwund" bezeichnet, die im Alter auftritt und Knochen anfällig für Verletzungen und Brüche macht. Bei der Osteoporose nimmt die Knochendichte durch den Abbau der Knochenmasse und -struktur stetig ab. Sie tritt vor allem bei älteren Frauen nach der Menopause auf. Die Osteoporose befällt vor allem die Wirbelkörper und führt zu Spontanbrüchen von Wirbelkörpern.

Primäre Osteoporose: Osteoporose ohne direkte Ursache. Sie findet sich vor allem bei älteren Frauen und könnte im Zusammenhang mit Alter, hormoneller Regulation und dem Kalziumstoffwechsel stehen. Bei Frauen gilt der Östrogenausfall nach der Menopause als wahrscheinlichste Ursache für die Entstehung der primären Osteoporose.

Sekundäre Osteoporose: Osteoporose, die durch Krankheiten entstanden ist oder begünstigt wurde, z. B. Erkrankungen der Nebenschilddrüsen, Diabetes mellitus oder rheumatische Erkrankungen.

>> zum Kapitel: Osteoporose

P

Primäre Osteoporose

siehe >> Osteoporose

Postnukleotomiesyndrom (auch Postdiskektomiesyndrom oder Failed back surgery syndrome)

Tritt nach einer Bandscheibenoperation (Nukleotomie, Diskektomie) in ca. 15% bis 20% aller Patienten auf. Das Beschwerdebild ist geprägt durch Rückenschmerzen und Beinschmerzen, die denjenigen vor der Operation ähneln. Als Ursache kommen Narbenbildungen im Operationsgebiet, eine nicht vollständige Dekompression der Nervenwurzel, Verletzungen der Nervenwurzel oder ein Rezidivbandscheibenvorfall in Betracht.

S

Sekundäre Osteoporose

siehe >> Osteoporose

Spinale Kompression

Durch knöcherne Strukturen (Spondylophyten), verdickte Bandstrukturen (Hypertrophie der Ligaments flava) und/oder einer Vorwölbung der Bandscheibe nach hinten wird Druck auf das Rückenmark oder einzelne Nervenwurzeln (radikuläre Symptomatik) ausgeübt. In Abhängigkeit des Druckes auf das Rückenmark/Nervenwurzeln kann die Spinale Kompression Gefühlsstörungen und/oder Lähmungen einzelner Muskelgruppen hervorrufen.

Spinalkanal (Wirbelkanal)

Wird durch die Hinterwand des Wirbelkörpers und den Wirbelbogen sowie das gelbe Band gebildet. Im Spinalkanal verläuft das Rückenmark.

>> zum Kapitel: Spinalkanalstenose

Spinalkanalstenose (Verengung des Rückenmarkkanals)

Andere Bezeichnungen sind "Spinale Stenose" oder "enger Spinalkanal". Sie Spinalkanalstenose ist eine Einengung des Wirbelkanals mit Kompression von Rückenmark und/oder Nervenwurzeln. Die Spinalkanalstenose tritt vor allem in der Lendenwirbelsäule bei älteren Menschen auf. Das klassische Symptom ist die "Claudicatio spinalis" (neurogene Claudicatio), eine schmerzhafte Einschränkung der Gehstrecke ähnlich der "Schaufensterkrankheit" bei Patienten mit Einengungen der Beingefässe (Claudicatio vascularis oder intermittens). Im Spätstadium kann es zu Harn- und Stuhlinkontinenz und zu Lähmungserscheinungen an den Beinen kommen.

>> zum Kapitel: Spinalkanalstenose

Spondylarthrose

Abnutzung (Arthrose) der Zwischenwirbelgelenke. Diese führt zu massiven, häufig bewegungsabhängigen Rückenschmerzen. Sie tritt vor allem in der Lendenwirbelsäule und weniger häufig in der Halswirbelsäule auf.

Spondylodese

Versteifung von zwei oder mehreren Wirbelkörpern mittels eines Schrauben-Stab-Systems ("Fixateur interne").

Spondylolisthese ("Wirbelgleiten")

Zwei oder mehrere Wirbelkörper verschieben sich gegeneinander. Hierdurch entsteht eine Stufenbildung, die zu einer Einengung des Spinalkanals mit Kompression des Rückenmarkes führen kann.

Spondylophyt

Knöcherne Ausziehung am Wirbelkörper, die zu einer Einengung des Spinalnervenkanals mit Kompression der Nervenwurzel führen kann. Zeichen einer Verschleisserscheinung an der Wirbelsäule. Spondylophyten finden sich vor allem bei Abnutzungserscheinungen an der Lendenwirbelsäule und zu einem geringeren Anteil an der Halswirbelsäule.

Spontanfraktur ("pathologische Fraktur")

Bezeichnet eine Wirbelkörperfraktur ohne Trauma. Sie tritt bei Patienten mit starker Osteoporose oder bei Wirbelkörpern auf, die durch Tumorbefall ausgehöhlt werden.

Systemplastie

Neues Behandlungsverfahren, das Stabilisierungssysteme unterschiedlicher Technologien miteinander verbindet und variabel jede Wirbelsäulenpathologie des osteoporotischen Knochens effizient behandelbar macht.

>> zum Artikel: Systemplastie zur Therapie bei Wirbelkörperfrakturen

T

Telescoping der Wirbelgelenke

Durch Verschmälerung des Zwischenwirbelraumes auf Grund einer degenerativen Veränderung der Bandscheibe rutschen die Wirbelgelenke ineinander und "verkeilen" sich miteinander. Dies führt zu einer Spondylarthrose und zu massiven Rückenschmerzen. Häufig kann dieses Krankheitsbild nur durch eine Versteifung behandelt werden.

Triggerpunkt

Kleine Reizzone in der Muskulatur.

V

Vertebroplastie

Minimalinvasives Verfahren zur Behandlung von Wirbelkörperfrakturen. Über eine Hohlnadel wird Knochenzement in den gebrochenen Wirbelkörper eingebracht, um ihn zu stabilisieren. Dieses Verfahren hat im Gegensatz zur Kyphoplastie eine deutlich höhere Komplikationsrate.

>> zum Artikel: Vertebroplastie zur Therapie bei Wirbelkörperfrakturen

W

Wirbelgleiten

>> siehe Spondylolisthese

Wirbelkörperdistraktion

Aufspreitzen eines einzelnen Wirbelkörpers bei Fraktur mit Höhenminderung oder Aufspreitzen zweier Wirbelkörper, um die Wirbelgelenke zu entlasten. Die Distraktion wird entweder bei eingedrückten (gebrochenen) Wirbelkörpern zu deren Aufrichtung benutzt. In zweiterem Fall können bei Verschmälerung des Bandscheibenfaches und/oder begleitender Einengung des Zwischenwirbelloches durch Einbau einer Spreitzvorrichtung zwischen die Dornfortsätze zwei Wirbelkörper aufgespreitzt ("distrahiert") werden. Diese Operationsmethode ist allerdings in Fachkreisen umstritten.

Wirbelkörperfraktur

Bruch eines Wirbelkörpers. Es wird zwischen einem stabilen und einem instabilen Bruch unterschieden. Massgebend hierfür ist, ob die Hinterkante des Wirbelkörpers zum Rückenmark hin durch den Bruch betroffen ist. Die Therapie (konservativ – operativ) hängt massgeblich von der Stabilität des Wirbelkörperbruches ab.