Diagnose / Diagnostik bei Rückenbeschwerden


Krankengeschichte / Anamnese

Bei Vorliegen von Rückenschmerzen spielt die sorgfältige Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) und die präzise ärztliche Untersuchung eine entscheidende Rolle. Der Mediziner erfasst Vor- und Begleiterkrankungen wie Arthrose oder Osteoporose sowie angeborene Fehlbildungen. Auch psychosomatische Gründe dürfen bei Vorliegen von Rückenschmerzen nicht außer Acht gelassen werden. Weiterhin spielen berufliche Aspekte eine wichtige Rolle. Arbeitet der Patient beispielsweise überwiegend im Sitzen und am Computer, kann dies eine Ursache für chronische Rückenschmerzen sein. Von großer Bedeutung ist auch, den Patienten nach seiner Gehstrecke zu befragen. Muss der Patient nach wenigen Hundert Metern wegen stechender Schmerzen im Gesäß und in den Oberschenkeln stehen bleiben, handelt es sich um die sogenannte "Claudicatio spinalis", die auf eine Einengung des Rückenmarkkanals (Spinalkanalstenose) hinweist.

Als weiteres Element für die Diagnostik stehen sogenannte "Schmerztagebücher" zur Verfügung. Der Betroffene dokumentiert dabei seine Schmerzenpfindung im Verlauf des Tages mit Hilfe einer Schmerzskala. Schmerztagebücher helfen, die Schmerzen zu beurteilen und spätere Therapiemaßnahmen zu kontrollieren.

Körperliche Untersuchung

Die körperliche Untersuchung ist ebenfalls von großer Bedeutung und erfordert viel Zeit. Der Arzt untersucht den Patienten hinsichtlich von Verkrümmungen der Wirbelsäule, Stellung von Becken und Schultergürtel bzw. möglicher Schiefhaltungen, sowie die gesamte Körperhaltung. Außerdem prüft er die Muskelkraft, die Reflexe, das Berührungsempfinden, die muskuläre Kraft und die Beweglichkeit der Zwischenwirbelgelenke. Hierbei werden jedem einzelnen Nerven genau definierte Hautzonen und Muskelgruppen zugeordnet, so dass bereits mit der klinischen Untersuchung, auch ohne weiterführende Diagnostik, bereits die Höhe der Wirbelsäulenerkrankung und die betroffene Nervenwurzel ermittelt werden kann.

Röntgenaufnahmen

Die Standard-Röntgenaufnahmen werden von vorne und der Seite, d.h. in zwei Ebenen, und im Stehen durchgeführt. Diese Röntgenaufnahmen, vor allem die seitliche Aufnahme, geben einen Eindruck über die Knochenqualität, die Höhe der Bandscheibenfächer, degenerative Veränderungen an den Wirbelkörpern, einer Arthrose der Zwischenwirbelgelenke sowie einer Verkrümmung der Wirbelsäule.

Zusätzlich sind zwei Funktionsaufnahmen mit nach vorne gebeugtem Oberkörper bzw. in Überstreckung zwingend notwendig, um ein Wirbelkörpergleiten zu entdecken. Das Erkennen eines Wirbelsäulengleitens ist für die Therapie von großer Bedeutung.

Computertomographie (CT)

Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) sind sogenannte "Schnittbildverfahren". Mit Hilfe dieser beiden Verfahren lassen sich nicht röntgendichte Strukturen (Bandscheibe, Bänder, Gelenkkapsel, Knorpel) im MRT darstellen bzw. zwei- und dreidimensionale Darstellungen der Wirbelsäule erzielen.

CTM

Die CT hat ihre Vorteile bei Frakturen der Wirbelsäule und erlaubt eine präzise Untersuchung aller Frakturlinien. Hieraus wird der Frakturtyp ermittelt, der die Grundlage für die Therapieentscheidung bildet. Das CT gehört auch zur weiterführenden Diagnostik bei Verdacht von Tumoren in den Wirbelkörpern.

Magnetresonanztomographie (MRT)

Die MRT ist heute die Schnittbilduntersuchung der Wahl bei allen degenerativen und entzündlichen Wirbelsäulenerkrankungen. Zusätzlich empfiehlt sich neben der CT eine MRT bei instabilen Wirbelkörperfrakturen, um den Schweregrad begleitender Bandverletzungen zu erkennen.

In der MRT können besonders gut das Rückenmark, die Nervenwurzeln und die Bandscheiben dargestellt werden. Dies gibt dem Untersucher die Möglichkeit, die Beschaffenheit der Bandscheibe, eine Vorwölbung oder einen Vorfall zu diagnostizieren. Weiterhin wird sichtbar, ob hierdurch der Rückenmarkschlauch oder eine Nervenwurzel durch den Bandscheibenvorfall komprimiert werden.

Die MRT gibt weiterhin Auskunft über die Beschaffenheit der Gelenke, über Verdickungen der Gelenkkapsel oder der Bandstrukturen. Hierdurch werden die Arthrose der Zwischenwirbelgelenke und Einengungen des Rückenmarkkanals entdeckt.

Myelographie

Bei der Myelographie wird ein Kontrastmittel in den Duralsack gespritzt. Mit Hilfe des Kontrastmittels kann der Untersucher Einengungen des Duralsackes oder der abgehenden Nervenwurzeln erkennen. Durch die Weiterentwicklung des MRT findet die Myelographie heute nur noch selten Anwendung, da es sich um ein "invasives" Diagnostikverfahren handelt.

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